Obligatorische Gasprüfung – ein Erfahrungsbericht

Heutige Wohnmobile und Wohnwagen verfügen meist über gasbetriebene Einrichtungen. Selbst bei meinem Oldtimer-Wohnwagen ist dies der Fall. Meist handelt es sich um das Kochfeld, die Heizung und den Kühlschrank, welcher mit Hilfe einer Flüssiggasanlage betrieben werden können. Damit die Gerätschaften aber auch sicher betrieben werden, braucht es neben dem gesunden Menschenverstand auch ab und zu mal eine professionelle Kontrolle. Was so leicht gesagt ist, stellt sich in der Praxis kniffliger heraus als gedacht. Im folgenden Artikel möchte ich daher aus persönlicher Perspektive das Thema Gasprüfung anschneiden, darstellen, wieso die Gasprüfung unumgänglich ist, auf was genau bei der Gasprüfung als Fahrzeugbesitzer geachtet werden sollte und wie man sich vorbereiten kann.
Gasprüfung

Das Campingfahrzeug aus dem Winterschlaf holen und los geht’s. So kannst dur dir vielleicht Camping vorstellen und so kann Camping theoretisch auch sein. Der blinde Käufer macht Nägel mit Köpfen und kauft sich seinen Wohnwagen, Wohnmobil oder Campervan. Mit der Zeit merkst du aber, dass zum funktionierenden Campingerlebnis dann aber doch noch mehr gehört und das Hobby «Camping» eben auch mit etwas Aufwand verbunden ist. Eine dieser Aufwände ist zum Beispiel die periodische Prüfung des Fahrzeugs beim Strassenverkehrsamt inklusive Gasprüfung. Dieser Prüfung müssen Wohnmobile wie auch Wohnwagen gleichermassen nachkommen. So geschehen bei mir im letzten Sommer 2021. Für meinen alten Wohnwagen grundsätzlich kein Problem, schaue ich doch immer gut zu dem Kleinen. Dazu gehört nicht nur das Polieren der Acrylgläser.

Aber ich muss schon sagen, es war bei der Prüfung auch eine gute Portion Glück mit dabei. Der Prüfer meinte plötzlich, dass die Gasprüfung auch noch gültig sei und ich daher die Fahrzeugprüfung bestanden hätte. Und da sind wir schon am springenden Punkt angelangt.

Obligatorische Gaskontrolle für Campingfahrzeuge

Fast klangheimlich wurde im Jahr 2018 in der Schweiz die obligatorische Gaskontrolle eingeführt. Bei der Inspektion beim Strassenverkehrsamt muss ein gültiges Kontrollzertifikat vorliegen. Ich habe im Vorfeld mal wage was gehört und war bisher eher der Meinung, dass die Motivation dazu von Seiten der Campingplätze erfolgte, die einen solchen Nachweis im Kontext Sicherheit fordern. Aber sind wir mal ehrlich, niemand möchte, dass beim Nachbarn auf dem Platz plötzlich die ganze Hütte brennt. Ich hätte nicht erwartet, dass die Gaskontrolle auch eine verbindliche Relevanz bei der Fahrzeugprüfung haben wird. Daher in dem Zusammenhang nochmals klar erwähnt: Jedes Campingfahrzeug mit Flüssiggasanlage benötigt alle 3 Jahre eine Inspektion. Die Fahrzeugprüfung beim Strassenverkehrsamt kann nur bestanden werden, wenn zu dem Zeitpunkt ein gültiges Kontrollzertifikat vorliegt.

Gasprüfung
Mein Oldtimer-Wohnwagen – bereit zur Gasprüfung über der Inspektionsgrube

Für mich war die Kontrolle der Flüssiggasanlage schon von jeher selbstverständlich. Ich möchte in Ruhe in der Nacht heizen und am Morgen auch wieder aufwachen können. So war es denn auch genauso selbstverständlich, dass ich auch diesen Frühling wieder eine Kontrolle durchführte. Doch wo macht man sowas?

Die Suche nach einem geprüften Gaskontrolleur

Wer ein Neufahrzeug hat und möglicherweise noch ein Serviceabo dazu, muss sich die Frage wohl kaum stellen. Der Garagist des Vertrauens wird’s schon richten. Wer nicht mehr regelmässig in die Garage geht, der muss die Kontrolle selbst organisieren. Bisher habe ich die Kontrolle beim TCS durchführen lassen.

Dieses Jahr wurde mir mitgeteilt, dass der Service erst nach Ostern angeboten würde. In Anbetracht des Umstandes, dass jedes Jahr tausende neue Fahrzeuge zusätzlich zugelassen werden und nun alle Fahrzeuge danach regelmässig zur Gaskontrolle müssen, eine etwas befremdliche Antwort. Doch es soll nicht die einzige bleiben. Meine Suche ging weiter. Die Garage aus dem Nachbardorf soll es richten. Doch auch hier eher kompliziert als kundenorientiert. Gaskontrollen werden angeboten, aber nur wenn ein paar Fahrzeuge zusammen seien. Zudem würde dann mein Wohnwagen irgendwo hingebracht, da sie den Test nicht selbst durchführen dürfen.

Ja kann es denn so schwierig sein? Es scheint mir fast, als ob das Angebot in der Schweiz zu klein wäre, für die Flut an Wohnwagen und Wohnmobilen die nun alle drei Jahre eine Gasprüfung benötigen. Womöglich eine echte Marktlücke. Empfehlen kann ich an der Stelle das Verzeichnis der geprüften Installateure und Kontrolleure des Arbeitskreises LPG. Am Schluss habe ich mit der Hilfe endlich eine Garage gefunden, die mir den Test durchführen konnte und die das auch sehr gewissenhaft gemacht hat.

Gaskontrolleur
Der Gaskontrolleur bei der Arbeit

Der Gaskasten muss den Anforderungen entsprechen

Gilt es denn für den Test was zu beachten? Die Antwort ist ja. Es empfiehlt sich in jedem Fall, den Gaskasten möglichst freizuräumen, so dass die obligatorischen Lüftungsschlitze frei sind (das empfiehlt sich aus sonst) und der Gasregler sowie Gasschlauch gut zugänglich sind. Denn diese werden als Teil der Kontrolle explizit geprüft. Nach Aussage des dortigen Kontrolleurs wird leider immer wieder die Erfahrung gemacht, dass insbesondere Gasflaschen unsachgemäss im Fahrzeug gelagert werden. Es sei deshalb hier darauf hingewiesen, dass die Installation einer Gasflasche im selbst gebauten Camper unter der Küchenzeile ohne weitere Schutzvorkehrungen nicht zulässig ist und die Gasprüfung damit nicht bestanden werden kann. Ergo wird dies auch für die Fahrzeugprüfung beim Strassenverkehrsamt der Fall sein.

Der Gasregler hat ein Ablaufdatum

Prüfen des Ablaufdatums

Zurück zum Gasregler – dieser darf nicht älter als 10 Jahre sein. Das Datum der Produktion ist extra aufgedruckt. Der Schlauch sollte gemäss Kontrolleur nicht älter als 5 Jahre sein. Auch hier ist das Datum aufgedruckt. Offenbar gibt es da Kontrolleure, die es genauer nehmen als andere. Mein Schlauch und Regler aus dem Jahre 2013 war bisher immer durchgekommen. In der Theorie darf die Prüfung nur bis zur maximalen Lebensdauer ab aufgedruckten Datum der beiden Bauteile ausgestellt werden. Bei einem Druckregler von 2013 also nur noch bis 2023. Dies war für mich dann aber wiederum zu kurz. Die Prüfung sollte schon 3 Jahre gültig bleiben. Mein Druckregler wurde nun an der Gaskontrolle selbst durch einen neuen Gasregler ausgewechselt.

Druckregler
Druckregler mit Angabe zum Produktionsdatum (03.13, also März 2013)

Prüfung der Dichtigkeit

Selbstverständlich darfst du als vorausschauender Camper die beiden Bauteile auch vorab schon austauschen. Dann gibt es nichts zu beanstanden. In den meisten Fällen lassen sich solche Kleinteile vor Ort in Rahmen der Kontrolle ersetzen. So auch in meinem Fall. Ich habe mir die Mühe vorgängig also erspart, potenziell die falschen Teile zu bestellen. Der Druckregler und der Gasschlauch wurden vor Ort durch einen neuen ersetzt. Beide Teile kosten im Fachhandel um die CHF 20.

Nach dieser Kleinreparatur beginnt die eigentliche Prüfung. Das Leitungssystem wird unter 3-fachen Betriebsdruck gesetzt. Bei einer 50 mBar Anlage wurde also 150 mBar Druck auf das System gegeben. Auch nach 10 Minuten sollte bei einer 50 mBar Anlage noch 150 mBar auf der Anzeige stehen. Das Ziel der Prüfung ist es, nun sicherzustellen, dass dieser Druck von allen Ventilen, dem Drehregler sowie den Leitungen auch gehalten werden kann. Dann ist nämlich kein unbemerktes Leck vorhanden. Das ist ja das Ziel der Prüfung. In meinem Fall war alles dicht. Glück gehabt.

Mit einem Leckspray werden zusätzlich die Dichtungen zum Gasregler und Gasschlauch geprüft. Bilden sich Blasen, dann tritt Gas aus. Auch hier blieb alles unauffällig. Danach wurde das Fahrzeug noch auf potenzielle Auffälligkeiten beim Unterboden auf Sicht geprüft. Die Grube, über der der Wohnwagen in der Fachgarage stand, hat da sicher geholfen, um bequem die Kontrolle durchzuführen. Die Leitungen laufen nämlich zu einem Grossenteil ausserhalb des Fahrzeugs entlang des Unterbodens. Ein grösserer Steinschlag oder ganz grobes Aufschlagen könnte da schon mal zu einer Beschädigung führen.

Druckprüfung
Druckprüfung, hier auf 150 mBar bei einer 50 mBar Anlage

Die Heizung muss funktionieren

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete

Weiter geht die Prüfung im Inneren des Fahrzeugs. Als Vorbereitung empfehle ich hier, alles Unnötige im Vorfeld auszuräumen, was den Kontrolleur behindern könnte. Wer also noch einen externen Kühlschrank im Eingangsbereich stehen hat, sollte den besser vorher entladen. Es reicht, wenn dieser bei den nächsten Ferien ins Tessin wieder mit dabei ist. Besonderes Augenmerk gehört der Heizung. Ich habe noch eine alte SL3002, die mich bisher nie im Stich gelassen hat (siehe hierzu auch folgende Anmerkung der Firma Truma). So oder so ist es ratsam, hier im Vorfeld mal alle Abdeckungen zu entfernen und zumindest den angesammelten Staub und die Haare mit einem Staubsauger ordentlich zu entfernen. Nahe an der Heizung wird es in der Regel ganz schön heiss. Du mussst dem Ofen nicht noch extra Zündmaterial zur Verfügung stellen, wenn du es zumindest einmal jährlich einfach entfernen kannst.

Prüfung im Inneren durch den Gaskontrolleur

Der Gaskontrolleur überprüft bei der Heizung das Flammenbild, ob die Zündflamme durchgehend brennt, die Hauptflamme sofort entzündet und ob beim Ausgehen der Zündflamme der Zündautomat weiterhin regelmässig zündet. Das regelmässige Zünden des Zündautomaten dient dazu, dass im Falle eines Erlöschens der Zündflamme, diese sofort wieder zündet. Dieser Vorgang ist als regelmässiges Funken zu hören und im Sichtfenster der Heizung zu sehen. Das Flammenbild sollte schlicht blau sein. Flackernde Flammen deuten auf eine Fehlfunktion oder einen dringend nötigen Service hin. Das Flammenbild muss stimmen, die Zündung muss zuverlässig funktionieren und der Kamin die Abgase korrekt nach draussen führen.

Funtkionskontrolle
Funtkionskontrolle der Heizung

Im inneren des Campingfahrzeugs werden überdies die Herdflammen überprüft. Die Flamen müssen beim Ausschalten sofort ausgehen und nach ca. einer Minute, wenn die Flammen aus sind, sollte auch die Sicherung genügend abgekühlt sein, so dass bei offenem Ventil dennoch kein Gas mehr austreten sollte. Wie wir alle wissen, darf der Herd erst angehen, wenn der jeweilige Drehknopf am Herd explizit nach innen gedrückt wird. Die Funktionsprüfung wird im Abschluss auch am Kühlschrank durchgeführt. Bei der Heizung und dem Kühlschrank werden zum Schluss die beiden Kamine kontrolliert. Es ist zentral, dass die Abgase korrekt aus dem Fahrzeug abgeleitet werden. Ein Defekt hätte hier den sofortigen Abbruch der Gaskontrolle zur Folge.

Der Gültigkeitsaufkleber und das Protokoll

Am Ende der Prüfung wird das Prüfprotokoll ausgefüllt. Dieses enthält neben Angaben aus dem Fahrzeugausweis zusätzlich auch Seriennummern der Gasgeräte. So ist es möglich, festzustellen, ob eventuell ein Gerät seit der letzten Prüfung ausgewechselt wurde. Die Gasprüfung ist nur für die eingetragenen Geräte gültig, wobei bei älteren Fahrzeugen diese Nummern nicht immer vorhanden sind. Das Prüfprotokoll sollte danach im Fahrzeug mitgeführt werden. Theoretisch dürfte ein Platzwart die Einsicht in das Protokoll verlangen.

Wie bis anhin erhält man zum Abschluss den sehnlichst erwarteten Gaskontroll-Aufkleber. Auf diesem wird die Gültigkeitsdauer mittels Lochausstanzung in Form von Jahr und Monat eingetragen. Neu enthält jeder Kleber eine eindeutige Nummer zum Protokoll. Damit kann die Gültigkeit des Aufklebers jederzeit mit dem Protokoll in Verbindung gebracht werden. Bisher war dies nicht der Fall. Nicht selten war die Gültigkeit auf dem Aufkleber nur schlecht zu erkennen. Mit Hilfe der eindeutigen ID wird diese Schwachstelle nun behoben. Im Zweifel gilt das Protokoll. Bis 2025 sollte ich nun Ruhe haben. Ach ja, wer sich erinnern kann, die Fenster wurden auch schon mal poliert.

Gültigkeitsaufkleber
Neuer Gültigkeitsaufkleber mit eindeutiger Nummer zum Protokoll

Zeitaufwand und Kosten

Die ganze Kontrolle dauerte mit Auswechseln der Ersatzkomponente ca. 45 Minuten. Der Arbeitskreis LPG gibt die Zeit mit 45- 60 Minuten an. Der Richtpreis für die Dienstleistung beträgt CHF 140. Mit CHF 150 war meine Kontrolle preislich gut dabei und war von der Qualität und Gewissenhaftigkeit sicher vorbildlich ausgeführt. Die Ersatzteile kosteten extra.

Ich persönlich finde, dass die Gasprüfung gut investiertes Geld ist. Die neue Regelung zur obligatorischen Gasprüfung mag zwar den einen oder anderen vermutlich auf dem falschen Fuss erwischen. Dennoch dürfte damit das Ziel zur Gewährung der generellen Sicherheit mit der Ausgestaltung des nun gültigen Prozesses weiter verbessert werden.

Zusätzliche Sicherheit durch Kohlenmonoxid- und Gasmelder

Wer noch einen Schritt weiter gehen will, installiert im Wohnwagen, Camper oder Wohnmobil zusätzlich eine Sensoriken, die vor einem lebensgefährlichen Kohlenmonoxid-Austritt oder gar Gasleck warnen. Im Fachhandel gibt es unzählige Möglichkeiten, sich damit auszurüsten. Wichtig ist, dass diese korrekt installiert werden. Kohlenmonoxidmelder sollten oben installiert werden, da das unsichtbare und geruchlose Gas grundsätzlich aufsteigt. Gasmelder sollten in Bodennähe platziert werden. Gas sinkt in der Regel. Beide Sensoren können im Ereignisfall wertvolle Dienste tun. Während man das Gas vielleicht noch riechen kann, atmet man Kohlenmonoxid einfach unbemerkt ein. Im Schlaf endet die Akkumulierung von Kohlenmonoxid nicht selten tödlich. Sollte mal ein Sensor tatsächlich Alarm schlagen, gilt es so rasch wie möglich das Fahrzeug zu verlassen.

Ich persönlich würde erst in einem zweiten Schritt die Ursache suchen gehen, wenn der Hauptgashahn zugedreht wurde und das Fahrzeug ordentlich durchgelüftet ist. Und ja, jeder dieser Sensoren sollte regelmässig mit der vorhandenen Testtaste auf Funktionstüchtigkeit getestet werden. Sollte dennoch mal ein Fehlalarm losgehen, was mir selbst schon passierte, kannst du nur hoffen, dass es nicht mitten in der Nacht passiert und die schon seit Tagen geschlossene Gasflasche fast sicher darauf hindeutet, dass hier was mit dem Sensor nicht stimmen kann. Es braucht also trotz Sensorik in jedem Fall eine Portion gesunden Menschenverstand und Selbstverantwortung.

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