Praxistipps zum Acrylglas reinigen und pflegen

Bei der Reinigung von Acrylgläsern gilt es einige Aspekte zu beachten, um die Gläser nicht nachhaltig zu schädigen. In diesem Artikel werden die wichtigsten Punkte erläutert, die es rund um die Reinigung zu beachten gilt.
Acrylglasreinigung_Bühnenbild

Zugegeben, mein Wohnwagen ist schon etwas älter. Um diese Aussage etwas zu präzisieren, würde ich es so formulieren: Der Wohnwagen wurde etwa zu der Zeit gebaut, als die Berliner Mauer gefallen ist. Es gibt immer etwas zu tun an dem guten Stück. Jüngst habe ich mich den alten Acrylglas-Fenstern angenommen. Schon lange wollte ich diese richtig reinigen und wieder mehr Glanz rein bringen. Und da fängt die Geschichte an.

Beginnt man im Internet zu recherchieren, findet man zum Thema Acrylglasscheiben beinahe so viele gut gemeinte Praxistipps, Ratschläge und Meinungen wie es Wohnwagen gibt. Ein Tipp jagt den anderen. Stöbert man dann in einem der gängigen Onlineshops für Campingbedarf, wird es auch nicht übersichtlicher. Artikel in Hülle und Fülle. Eine Marke verspricht mehr als die andere. Dabei möchte ich nur die Acrylglasscheiben reinigen. In der Annahme, dass es so manchen Wohnmobil- und Wohnwagenbesitzer gibt, der sich auch Gedanken gemacht hat, wie Acrylgläser rasch, aber korrekt gereinigt werden können, habe ich einige hilfreiche Punkte zusammengefasst.

Die Ausgangslage

Ich möchte nicht behaupten, dass ich Fachmann auf dem Gebiet der Fensterreinigung wäre. Das bin ich auch zuhause nicht. Aber ich habe in all den vielen Berichten folgendes mitbekommen:

  • Die Fenster sind nicht aus Plexiglas, sondern aus Acryl.
  • Die Acrylgläser sind empfindlich gegenüber Kratzern.
  • Staub und Schmutz lassen die Fenster rasch stumpf und glanzlos erscheinen.

Das ist die Ausgangslage. Werden die Fenster über Jahre kaum gereinigt, könnte man in Versuchung kommen, die Vorhänge im Innern zu demontieren. Soweit soll es aber nicht kommen. Wie zuhause gilt es die Fenster ab und an mal zu reinigen. Oder dann tut es bei eurem Campingmobil zur Freude aller Mitreisenden und zur körperlichen Ertüchtigung. Denn es ist mit Arbeit und Muskelkraft verbunden.

Das solltest du beachten

Was man genau beachten sollte, ergäbe rasch eine lange Liste, die sowieso niemand liest. Auf das absolut Nötigste reduziert, ergibt sich für den Pragmatiker die folgenden Eckpunkte:

  • Reinige die Scheiben gründlich vor, verwende dabei nur Wasser, einen Schwamm oder ein weiches Tuch.
  • Auf keinen Fall sollten die Gläser mit alkoholhaltigen Reinigern oder Lösungsmitteln in Kontakt kommen. Stell also alle deine üblichen Reiniger für die Acrylgläser sofort weg. Du würdest alles nur schlimmer machen.
  • Verwende stattdessen einen Acrylglasreiniger aus dem Fachhandel.
  • Verwende für grobe Kratzer solche Kratzerentferner, die für alle Marken von Berger über Dometic bis Yachticon empfohlen werden.
Nach der Reinigung erfolgt die Politur. Das Zwischenresultat gleicht einem Geschmier.

Polieren, polieren und nochmals polieren

Bis dahin war es einfach. Wenn man aber alle Fenster, die ein Wohnwagen so mit sich bringt, sowohl aussen wie innen reinigen will, dann ist es mit 10 Minuten nicht getan. Und der beste Teil folgt noch. Die Theorie besagt, dass die Acrylgläser ganz viel Pflege benötigen. Polieren steht auf dem Programm. Ohne polieren kriegt man schon auch saubere Fenster. Polierte Fenster sind aber nochmals eine andere Liga. Willst du am Schluss vor deinem Gefährt stehen und sagen „Gut gemacht!“, dann wirst du ums Polieren nicht herum kommen. Hier sei erwähnt, dass alle Wohnmobilfahrer froh sein können, dass die Frontscheibe aus Autoglas besteht und nicht aus Acryl. Sonst wäre die schnelle Fahrzeugwäsche nämlich eine andere Sache.

Für die Politur gibt es zig Produkte. Eines besser als das andere, zumindest gemäss Herstellerinfo. Ein schlechtes Produkt gibt es meiner Meinung nach nicht. Die richtig guten Cracks erwähnen aber oftmals die Polierpaste von Rotweiss, welche in der Schweiz schlecht zu bekommen ist. Hat man die Polierpaste, dann heisst es „Achtung, fertig, los!“. Fenster für Fenster für ca. 5 Minuten mit Ausdauer, Gefühl und der richtigen Dosis Kraft in kreisenden Bewegungen jeden Quadratzentimeter abarbeiten. Ganz am Schluss kann die überschüssige Polierpaste einfach mit lauwarmem Wasser abgespült werden. Im Anschluss können die Scheiben mit einer Versiegelung versehen werden. Auch hierzu gibt es etliche Artikel.

Und das bringt es

Am Ende erstrahlen die Fenster wieder in neuem Glanz. Aus alt wird nicht neu, aber kommt dem neu schon relativ nahe. Und plötzlich braucht es auch die Vorhänge wieder. Wenn es richtig ausgeführt wurde, sind die hartnäckigen Schmutzreste nun vom Acrylglas entfernt. Die Fenster scheinen wieder klar und glänzend. Mit einer Versiegelung werden auch kleinste Putzkratzer aufgefüllt und das Wasser perlt schön von den Fenstern ab.

Ob sich der Aufwand lohnt? In gewisser Weise sicher. Man tut seinen Gläsern definitiv was Gutes. Die Prozedur jährlich zu wiederholen wäre vorbildlich. Für Leute mit älteren Modellen gibt es vermutlich noch andere Bereiche, deren Pflege wichtiger ist, so dass die Fenster nur durch den Regen gereinigt werden. Denn eines darf nicht vergessen gehen: Die Acrylgläser entscheiden selten darüber, ob der Campingausflug schlecht oder grossartig war.

Das Resultat lässt sich doch sehen. Aus alt wird sauber, aber nicht neu.

Und wie habe ich es gemacht?

Ja, darüber habe ich bisher noch wenig verraten. In der Tat wusste ich am Anfang kaum, welchen Artikel ich kaufen und ob ich mit einer Poliermaschine oder von Hand ans Werk gehen soll. Das war der Punkt, an dem ich realisierte, dass es hier eine Prise Pragmatismus braucht und weniger mehr ist. Ich entschied mich für eine einfache Lösung und legte mir ein Set zur Acrylglasreinigung von Dometic zu.

Einfaches Set von Dometic für Reinigung und Politur von Acrylglas-Scheiben.

Die Acrylgläser putzte ich mit Wasser vor. Danach reinigte ich die Fenster innen und aussen mit dem Spezialreiniger von Dometic gemäss Anleitung, heisst mit horizontal und vertikalen Bewegungen. Anschliessend polierte ich jedes Fenster aussen mit dem mitgelieferten Poliertuch. Schon beim Polieren spürt man, dass man mit etwas Fleiss und Geduld auch die kleinsten und hartnäckigsten Schmutzrückstände wegbringt.

Aus alt wird nicht neu, aber zumindest besser. Die Scheibe glänzt wieder.

Im Anschluss spülte ich die Fenster mit einem weichen Lappen und lauwarmem Wasser ab und trocknete vorsichtig die Scheiben mit einem weichen Tuch. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen. So geglänzt haben die alten Scheiben schon lange nicht mehr und günstiger als neue zu kaufen ist es allemal. Auf die Versiegelung habe ich verzichtet. Diese wurde im Set nicht mitgeliefert und den Anspruch, ganz kratzerfreie Acrylgläser zu erzielen, hatte ich nicht. Ohnehin hätte ich dazu noch Kratzerentferner verwenden müssen. Zusätzlich unterzog ich die alten Gummidichtungen einer Schnellpflege, aber die Gummidichtungspflege ist ein anderes Thema.

Weiterführende Informationen und Links

Kommentar verfassen