Anfang März habe ich die Firma Zelthangar an der Vogelsangstrasse 28 in Effretikon besucht. Ich habe mit Diego Walder, dem Gründer und Inhaber, ein ausgiebiges Interview geführt und Vieles über die Firma erfahren dürfen. Darüber möchte ich euch nun berichten.
Zelthangar – wie Phönix aus der Asche
Diego war, bevor er Zelthangar gegründet hatte, rund 7 Jahre in den Jahren 2011 bis 2018 bei der Firma Spatz in Zürich tätig. Hans Behrmann hatte «Spatz» im Jahr 1935 ins Leben gerufen. Jeder Schweizer Pfadfinder und Mitglied der Cevi, Jubla oder Jungschar hatte sicher schon einmal das Vergnügen, die eine oder weitere Nacht in einem legendären Spatz-Zelt zu verbringen.

Ursprünglich hatte Diego die Mittelschule besucht und abgeschlossen. Danach absolvierte er eine Zimmermannslehre, ebenfalls mit einem Abschluss. Bei «Spatz» arbeitete er zu Beginn im Lager, danach im Verkauf und wurde auch noch Verkaufsleiter. Zum Abschluss seiner Zeit bei Spatz war er in der Manufaktur tätig und nähte auch selber Zelte. Spatz entschied sich im Ende 2018, die Produktion nach Pakistan zu verlagern. Mit all dem Know-how, wie man Zelte näht, behandelt, verkauft und weiterentwickelt, fasste er den Entschluss, sich selbständig zu machen und gründete Zelthangar. Die ersten Jahre waren richtig hart, eine wirkliche Startup-Phase mit all den Hochs und Tiefs. Mit viel Biss und Spucke sowie dem immerwährenden Glaube, das Richtige zu tun und aufzubauen, konnte er Zelthangar im Markt stetig bekannter machen und zusehens einnahmengenerierende Aufträge reinholen. Zug um Zug bahnte sich Zelthangar somit ihren Weg zum Schweizer Zeltmanufakturprofi. Diego meinte, es macht echt Spass, mit seinem tollen Team all die Kundenanfragen mit Esprit und can-do Fähigkeiten angehen und vollbringen zu können. Seine 7Jahre Erfahrung bei Spatz und nun ebensolche mit Zelthangar spüre ich klar.
Selber designen, nähen, reparieren, verkaufen und beraten
Ihre Stärken liegen im Reparieren von Zelten. Ein selber entwickeltes Online-Tool hilft ihnen, die Anfragen speditiv und transparent für alle abzuwickeln. Zu Beginn bestand noch die Idee, Zelte im Ausland produzieren zu lassen. Ein erster Versuch war, diese mit einer Firma aus den Niederlanden umzusetzen. Dies hatte aber aus kommunikationstechnischen Gründen leider nicht funktioniert, so dass sie beschlossen haben, Zelte selber vor Ort zu produzieren. Ideen sammeln, designen, schneiden, nähen, assemblieren, verpacken, lagern und promoten sowie verkaufen, all dies erfolgt nun aus einer Hand durch Zelthangar selber. Nebst eigens entwickelter Zeltmodelle führen sie auch Spatz-Zelte im Angebot und entwickeln diese auch weiter. Sie haben die legendäre Marke Spatz im 2025 übernommen und somit geholfen sicherzustellen, dass die 100 Jahrfeier der Marke Spatz vermutlich bald möglich sein wird.

Bei ihnen sind v.a. Industrienähmaschinen im Einsatz. Die erste Nähmaschinen, die sie in gebrauchtem Zustand zu CHF 1´000 erworben haben, läuft also immer noch. Heute kosten ihre Profi-Nähmaschinen, welche die nötigen Funktionalitäten auch aufweisen, so rund CHF 25´000. Das sind also definitiv keine Haushaltnähmaschinen. Durch den aufgebauten Nähmaschinenpark können sie einen gewissen Grad an Automatisierung erreichen, um so eine Produktion von Zelten in der Zelt überhaupt ermöglichen zu können.


Robuste Zelte und weiteres Zubehör im Angebot
Ihre Zelte halten meist 15-20 Jahre, was (Plastik-)Zelte ab Stange lange nicht leisten. Oft werden die Zelte, die ihre Kunden bei ihnen erwerben, sogar „vererbt“ und generationenübergreifend genutzt. Für Jugendgruppen sind Langlebigkeit und Robustheit wichtige Kriterien. Oft kommen Zeltbesitzer zu ihnen mit anderen, nicht bei ihnen gekauften Zelttypen, weil Teile (bspw. Zeltstangen) kaputt gegangen oder beschädigt wurden und anderswo nicht mehr beschafft werden können. Auch hierfür hat Zelthangar oft eine passende Lösung parat. Ein one-fits-all Ansatz bei Ersatzteilen und vorhandene Lagerflächen vor Ort ermöglichen Zelthangar die nötige Flexibilität bei der Bedienung ihrer Kunden.


Der Zeltsack mit Innenleben und Knoff-hoff
Speziell zu erwähnen ist ihr Zeltsack mit Magnetverschluss, der mit einer Hand bedient werden kann. Habs selber ausprobiert: Cooles Teil, zeugt von einer gewissen Prise Knoff-hoff. Der Zeltsack kann inwendig mit Karten und weiteren Informationen wie beispielsweise das Morsealphabet bedruckt und dann einfach an die Zeltwand gehängt werden. Der Zeltsack besitzt auch noch kleine Taschen, in die du deine Zahnbürste oder andere Utensilien versorgen kannst, ohne mit den dreckigen Schuhen ins Zeltinnere schreiten zu müssen. Alles in der Schweiz hergestellt. Sowas habe ich bisher noch nie gesehen. Und ich habe doch schon einiges an Campingutensilien in meinem Leben gesehen.

Ein Baumwollschlafsack zum Wohlfühlen fürs Campingfahrzeug
Diego machte mich auch noch auf ihren Baumwollschlafsack aufmerksam. Dieser ist aussen und innen mit Baumwolle, in der Mitte mit Schweizer Schafschurwolle ausgestattet und gross geschnitten. Wolle saugt v.a. die Feuchtigkeit, die der Körper über die Nacht ausdünstet, auf. Dies tun die üblichen „Plastik“-Schlafsäcke eben nicht. Der Baumwollschlafsack wird oft von Campern in ihren Büssli benutzt. Er eignet sich aber auch für zuhause als normale Bettdecke.

Phoenix – das skalierbare Basiszelt
Diego erwähnte auch noch speziell den „Phoenix“. Ein Zelttyp, mit dem modulartig mehrere Zelte quasi zu einer Zeltbasis oder einem Zeltdorf zusammengebaut werden können. So lassen sich viele Zeltkammern oder Zeltzimmer um ein zentrales Lagerfeuer zu einem Mega-Wigwam anordnen.

Matchentscheidend sind gute und motivierte Mitarbeitende
Aktuell besteht Zelthangar aus fünf Mitarbeitenden und konzentriert sich auf seine Kernaufgaben. Marketing, IT/Website und Buchhaltung haben sie an externe Dienstleister ausgelagert. Eine Person sei aktuell auf einer achtwöchigen Japanreise, unbezahlt. Auch solche Sabbaticals machen sie möglich, trotz guter Arbeitsauslastung. Alle fünf Mitarbeitenden können nähen, auch wenn einige wie beispielsweise Diego oder Max noch Spezialaufgaben wie Marketing, Verkauf, Operations oder Geschäftsführung inne haben.

Die Fertigkeiten, die sie bei der Fertigung und Reparatur aufweisen müssen, werden heutzutage in der Schweiz nicht (mehr) ausgebildet. Früher waren es noch die Industrienäher. Sie mussten sich dies also als Quereinsteiger selber erarbeiten und bilden neue Mitarbeitende entsprechend aus. Chapeau!
Ihre Kundensegmente: Jugendgruppen bis hin zu Campenden
Als Kunden bedienen sie v.a. Jugendgruppen (Pfadi, Cevi, Jubla und Jungschar). Daneben haben sie auch Kunden, die eine Sonderanfertigung wünschen. So wurden bei der LEWA Savanne im Zoo Zürich Glamping-Zelte umgesetzt, in der Besucher kombiniert mit einer Nachtwandelung im Zoo übernachten können. Sie fertigen häufig auch Sonnensegel oder Camper-Anbauten: Spezialarbeiten oder Reparaturen an solchen, die meist nicht für Produkte ab Stange erledigt werden.
Die Peaks im Bereich Reparaturen erfolgen hauptsächlich an Pfingsten oder im Sommer, wann all die Zeltlager der Pfadi, Cevi, Jubla und Jungschar stattfinden. Einige Lagerleiter kontrollieren erst kurz vor dem Lager ihr Material und merken dann, dass da und dort noch eine kleine Reparaturarbeit zu tätigen ist. Zelthangar ist zu jenen Zeiten dann jeweils parat und bedient die Anfragen im Express-Modus. Die meisten kommen aber schon 1-2 Monate vorher mit ihrem Anliegen auf Zelthangar zu.
Ihnen ist bewusst, dass sie sich mit ihrem Produkt- und Service-Angebot eher in einem initial höheren Preissegment befinden. Mit der Qualität und Langlebigkeit wird dies aber mehr als kompensiert. Wer ein Zelt will, das seinen Namen auch verdient, der geht zu Zelthangar. Ihre Kunden schätzen v.a. den Service, den Diego mit seinem Team bietet.

Das Sortiment wird weise und fokussiert erweitert
Nebst Innovationen im Zeltbau möchten sie in Zukunft auch ausgewähltes Zubehör wie Taschenmesser, u.,a. auch im Shop, anbieten, die wiederum auf Funktionalität und Langlebigkeit ausgelegt sind. Selber nutzen sie ihre Produkte ebenfalls und sind permanent am Testen im Feld.