Ende Februar habe ich die Firma AutoSolar mit Sitz in Oetwil am See besucht. Till Siegrist, Gründer und Geschäftsführer, empfing mich in ihrem Showroom und gab mir Einblick in die Entstehungsgeschichte von AutoSolar und in ihr Leistungsspektrum. Zum Schluss gab er mir noch eine kleine Führung durch ihre Räumlichkeiten. Über all dies möchte ich euch nun im Nachfolgenden berichten.
Das Camper-Büssli benötigt eine Stromquelle
Als Pionier für Solaranlagen für Camper in der Schweiz startete Till im 2012 Geschäftsidee, damals noch als One Man Startup Show. Entstanden war das Ganze aus Till’s Bedürfnis, dass er für sein Büssli (VW Bus) eine Solaranlage einsetzen wollte. Damals gab es dafür in der Schweiz nichts Adäquates und individuell Konfigurierbares. Solaranlagen waren meist nur als integrales Paket beim Kauf eines Campingfahrzeuges zu haben. Till wollte, da er ja schon ein Büssli besass, die einzubauende Solaranlage an seine ganz konkreten Bedürfnisse, sprich an das Set der damit zu betreibenden Geräte, ausgestaltet haben. Das Angebot und die Zusammenstellung der jeweiligen Solarlösung musste für ihn viel differenzierter erfolgen. Je nachdem, ob ich eine Kaffeemaschine oder eine Wasserpumpe anschliessen oder sogar kochen möchte, benötigt es andere Solarpanel. So begann Till dann mit der Entwicklung von Solarpanels.

Das Produkt- und Serviceangebot von AutoSolar
Der Ausbau ihres Produkt- und Serviceangebots war stehts sehr kundengetrieben. Mit den Kundenbedürfnissen wuchs dann auch das Produkt- und Serviceangebot, von Solarpanels in verschiedenen Grössen und Farben, über Batterien und Wechselrichter bis hin zu PowerStations und diversem Zubehör. AutoSolar bietet Solarlösungen, angepasst an individuelle Bedürfnisse und Situationen. Sie haben von Beginn weg Kundenbewertungen und Feedbacks eingeholt und diese in die Produkt- und Serviceentwicklung einfliessen lassen. Unterdessen haben sie über 3´000 Bewertungen erhalten. Ihnen ist auch die Beratungsfunktionen sehr wichtig, um so auch ihre Erfahrungen einbringen und damit eine langfristige gute sowie vertrauensbasierte Kundenbeziehung aufbauen zu können.


Die Solarpanele und auch Lithium-Batterien werden durch AutoSolar selber designt, entwickelt und dann im Ausland produziert. Spezialentwicklungen wie Solartisch-Panels (also Panels in runder Tischform) oder Panels für Firmen, die im Feld Sensoren ablesen und betreiben müssen, werden auch ausgeführt. Es gibt zudem Solarlösungen für mobile Verkehrsampeln, die beispielweise bei Baustellen zum Einsatz kommen.
Balkonkraftwerke
Mit der Zeit kam die Idee auf, sich dem Thema Balkonkraftwerke zu widmen und dies in ihr Leistungsspektrum aufzunehmen. Zu Beginn war das Interesse und die Nachfrage ernüchternd gering. Sie haben dabei auch, wie bei ihren anderen Produkten und Lösungen, von Beginn weg darauf geachtet, dass diese die Schweizer Norm- und Regulatorienvorgaben erfüllen. „Swiss Design and Quality“ war stets ihr Paradigma und Leitfaden. Von den Balkonkraftwerken verkauften sie im ersten Jahr vier und im zweiten sechs Stück. Ab 2022 ging die Post dann so richtig ab mit dem gewachsenen Bewusstsein für Stromsicherheit und potenzielle Strommangellagen. Sie wurden damit zum führenden Anbieter von Balkonkraftwerken der Schweiz. Zum Teil haben sie damals bis zu 20 Balkonkraftwerke pro Tag verschickt. Heute sind einige Tausend Installationen bei Kunden im Einsatz. Dadurch konnten sie ihren Erfahrungsrucksack enorm vergrössern.

Durch das Anbringen von einem oder mehreren Solarpanels am Balkongeländer (je nach verfügbarer Montagefläche) und Einspeisung via Kabel und Wechselrichter ins hauseigene Stromnetz kann so die Stromrechnung reduziert werden. Till meinte, dass pro Haushalt in etwas so CHF 150-200 pro Jahr eingespart werden können. Mit initialen Anlagekosten von rund CHF 600 wären diese somit nach rund drei Jahren amortisiert. Allerdings ist zu bemerken, dass nur maximal 600W (ohne es offiziell anmelden zu müssen) so eingespiesen werden dürfen. Die Solarpanels haben eine Garantie für 20 Jahre.
Montage von Solaranlagen in Campingfahrzeugen und Schiffen
Selber montieren sie auch für diejenigen, die das möchten, die Anlage im Fahrzeug bei ihnen vor Ort in Oetwil am See. Jährlich handelt es sich hierbei um rund 100 Fahrzeuge. Generell haben sie aber die Anlagen und Anleitungen inklusive Erklärungsvideos so designt und aufbereitet, dass ein Camper dies auch selber einbauen könnte.

Auch für Schiffe werden ihre Anlagen vermehrt eingesetzt. Elektromotoren kommen da immer häufiger zum Einsatz. Auf gewissen Gewässern sind nur noch Schiffe mit Elektromotorantrieb erlaubt. Batterien müssen auch dort aufgeladen werden.
Im eingemieteten Bürogebäude verfügen sie auch über ein grosses Lager, damit sie auf Bestellungen via Ihrem Online-Shop zeitnahe die Ware versenden können. In ihrer Werkstatt erfolgt die Produktentwicklung und etwaige Reparaturen.


Zudem haben sie sich ein kleines AV-Produktionsstudio eingerichtet, um Bilder für die Vermarktung oder Instruktionsvideos selber vor Ort produzieren zu können.

Mit Innovation gegen die Teilverschattung
Lange war die sogenannte Teilverschattung ein Problem, also wenn zum Beispiel ein Panel bei mehreren in Serie geschalteten Solarpanels teilweise einen Schatten erfährt (die Sonne also nicht mehr die ganze Solarpanelfläche bescheint) und dann die Leistung der ganzen Anordnung signifikant zusammenfällt. Mit 7-9 Trenndioden erreichen sie, dass der Strom um die Schattenflächen herumgeleitet wird und die nicht beschatteten Solarpanelflächen trotzdem einen erheblichen Teil an Strom produzieren können.
AutoSolar hat unterdessen hauptsächlich in der Deutschschweiz schon über 7´000 Solaranlagen für Campingfahrzeuge, Schrebergärten oder Alphütten verkauft. Grundsätzlich sind sie auf den Schweizer Markt fokussiert. Sie führen auch ein grosses Lager, um beispielsweise auch bei Nachbestellungen (der Appetit wächst oft mit der Nutzung) speditiv und schnell Waren innert 24 Stunden unter Zuhilfenahme von Speditionsfirmen zu Kunden versenden können.
Frühes technisches Grundverständnis gepaart mit dem Gespür für Menschen
Von Haus aus ist Till Siegrist Psychologe und Psychotherapeut. Das ist seine ursprüngliche Ausbildung. Als ich das hörte, war ich in etwa ebenso erstaunt wie vermutlich du es grad bist. Während seinem Psychologie-Studium gründete er AutoSolar. Dieses Grundwissen war für ihn sehr wertvoll für den Umgang mit Kunden, um deren Bedürfnisse im Detail erkennen und verstehen zu können. Auch beim Führen einer Firma mit Mitarbeitenden war er froh, über dieses Basiswissen zu verfügen. Aktuell sind sie 11 Mitarbeitende und hatten auch schon einen Bestand von 16 Personen. Sie arbeiten für gewisse Geschäftsfunktionen wie Buchhaltung, IT/Website oder Vermarktung mit externen Partnern zusammen.
Zu erwähnen ist aber auch, dass Till durch seinen Vater, der Radio-/TV-Elektriker war, auch eine entsprechende Sensorik und Gespür für elektrotechnische Themen mitbekommen hatte. Er konnte schon im zarten Alter von 7 Jahren löten. Er fand das sehr cool und merkte mit der Zeit, dass er mit Strom sehr viel anfangen und bewirken kann. Durch das Selbststudium und Ausprobieren sowie die unterstützende Hinterhand seines Vaters brachte er sich selber sehr viel bei. Die Balance zwischen Technik und Mensch (die Metaphyse) hat ihn immer schon begeistert. Und das spürte ich auch während dem Interview.

Für ihn war es stets wichtig, dass Personen, die seine Geräte erwerben und zum Einsatz bringen, dabei eine tiefwirkende Erfahrung durchleben. Sie sollen checken, dass sie mit 100W aus Solarstrom einen Kühlschrank betreiben können und die Getränke darin im Hochsommer den ganzen Tag hindurch kühl bleiben. Dazu kommt die Batterie, die als Puffer bei sonnenärmeren Stunden oder Tagen einem doch die Energie liefert.
Wachsen mit Herausforderungen
Die Herausforderungen liegen mehrheitlich im Batteriespeicher, da die Bedürfnisse und Einsatzgebiete (bspw. Induktionsherde zum Kochen oder IT Geräte) stetig zunehmen. Nebst den v.a. im Einsatz stehenden LiFePO4 basierten Batterien sind Solid State Batterien (einfach gesagt ein grosser Kondensator) im Kommen, deren Aufladung schneller erfolgen kann und deren Energiedichte höher ist. Gemäss Till’s Einschätzung wird dies aber noch einige Jahre dauern, bis diese in den täglichen Einsatz kommen dürften. All ihre LiFePO4 Batterien haben ein Batterie Management System (BMS) Sicherheitssystem mit Bluetooth (BT)-Überwachung eingebaut. Falls es in der Batterien zu einem Kurzschluss kommt, schaltet das BMS die Batterie automatisch ab. Till meinte, dass die Batterien oft länger halten als die Fahrzeuge selber. Beim Verkauf ihres Fahrzeuges entnehmen die Camper die Batterie und setzen sie im neuen Fahrzeug wieder ein. Ihre LiFePO4 Batterien haben in der Regel eine Nutzungsdauer von 10 bis 15 Jahren, bestimmt natürlich von den effektiven Ladezyklen, die eine Batterie über ihre Lebensdauer hinweg erfährt.
Weiterführende Informationen und Links
- AutoSolar – Solarprodukte für deinen Camper, Balkon oder die Alphütte (Händlereintrag auf camping.ch)
- YouTube Videos über AutoSolar
- Unser Bericht über AutoSolar am Suisse Caravan Salon 2024
- Der Solargenerator – eine alternative Stromversorgung