Unser Fahrsicherheits-Training bei der Antischleuderschule Regensdorf (ASSR)

In unserem Erfahrungsbericht zeigen wir euch auf, was wir alles an unserem Fahrsicherheits-Training bei der Antischleuderschule Regensdorf erleben durften. Dieser ist primär an solche gerichtet, die mit Wohnmobil oder Camper unterwegs sind. Für solche mit Wohnwagen gibt es einen entsprechenden Anhängerkurs.
Die Antischleuderschule Regensdorf

Als ich Ende April 2020 Markus Rhyner und Andreas Hein von der Antischleuderschule Regensdorf (ASSR) einen Besuch abstattete, um mich über Synergiepotentiale zwischen camping.ch und der ASSR auszutauschen, wurde mir spontan angeboten, doch gleich einen Wohnmobilkurs von ihnen zu besuchen. Damit könnte ich mir gleich 1:1 hautnah einen Einblick in ihre Tätigkeiten und Servicespektrum für unsere Camper Community verschaffen. Klar nahm ich diese Offerte dankend an. So war es also dann am 16.Mai 2020 soweit: um 07:45 Uhr war ich in der Antischleuderschule in Regensdorf sur place. Ich war sehr gespannt, was mich an neuen Erfahrungen erwarten wird. Aufgrund der ausserordentlichen Corona Lage durften am Kurs jeweils nur 4 Teilnehmende und ein Kursleiter partizipieren. Gewöhnlich nehmen bis zu 10 Teilnehmende teil.

Ramp-up zum Fahren auf rutschiger Fahrbahn

Als erstes folgte eine Einführung im Schulungsraum, an der uns zunächst der Tagesablauf sowie unsere ersten Runden auf dem Fahrparcours erläutert wurden. Markus Rhyner, unser Kursleiter, lieferte einige Ausführungen zur ASSR, an der wir erfahren durften, dass die ASSR als einzige in der Schweiz ganztägige Wohnmobil(Womo)-Kurse anbietet. Die ASSR existiert bereits seit 1968. Unser Kurs dauerte von 08:00 bis 17:00 Uhr. Und ja, diese Zeit war sehr gut bemessen. Es stand einiges auf dem Programm, weshalb wir froh waren, einen ganzen Tag dafür zur Verfügung zu haben. Eine Bedingung, um bei der ASSR als Kursleiter fungieren zu können, ist, dass ein Kursleiter selber Womofahrer sein muss. Er muss also mit Erfahrung, Leib, Seele und Freude bei der Sache sein. Dies kam durch unseren Kursleiter Markus Rhyner auch klar rüber. Zudem wird die ASSR vom Schweizerischen Verkehrssicherheitsrat (VSR) kontrolliert: Kursleiter müssen sich alle 3 Jahre rezertifizieren. Dies und wie der ganze Tag in Regensdorf durchgeführt wurde, zeugt von einem sehr professionellen Setup.

Der Womokurs kostet CHF 390 (für Paare entfällt jeweils der Wochenendzuschlag) inkl. Vollkasko, Getränke, Kaffee und Mittagessen. Der Fonds für Verkehrssicherheit (FVS) subventioniert dabei als Rückvergütung CHF 100, die in der Rechnungsstellung gleich der Einfachheit halber abgezogen werden. Als Spezialangebot im Rahmen unserer neuen Kooperation mit ASSR erhalten camping.ch Nutzer CHF 60 Ermassägung. Meldet euch einfach via E-Mail an info@camping.ch und dem Vermerk „ASSR Gutschein“ bei uns.

Am Morgen standen Kaffee und Gipfeli sowie diverse Mineralgetränke parat. Das Mittagessen wurde vom nahegelegenen Restaurant gebracht. Normalerweise werden werden die Teilnehmenden ins Restaurant gefahren, wo dann auch gegessen wird. Die Batterien und Energien konnten also immer wieder aufgeladen werden.

In einem kurzen Theorieblock wurden uns die Basics zum Fahren unter Extremsituationen, eben bei nasser Fahrbahn, vermittelt. Bei Unfällen sei zu 98% der Mensch der entscheidende Faktor (nebst dem Fahrzeugzustand und der Umwelt-/Wettersituation). Wichtig dabei ist, v.a. auf den Körper zu hören und proaktiv Reflexe zu trainieren, da man in Notsituationen keine Zeit hat, nachzudenken. Es folgten Instruktionen zum Fahrparcours und Sicherheitshinweise.

Einfahren und Sensibilisierung mit Personenwagen auf nasser Fahrbahn

Als nächstes ging es mit einem von der ASSR gestellten Personenwagen (PW) auf die künstlich bewässerte Fahrbahn mit Metallboden. Es galt, in einem Tempo von 30-35 km/h eine Vollbremsung zu vollziehen und danach in einer weiteren Runde Schaumstoffhindernissen auszuweichen. Wir wurden von Andreas instruiert, wenn das Fahrzeug in eine Drehung von mehr als 90 Grad gerät, eine Vollbremsung zu machen. Wow! Das war ja ganz spannend und eindrücklich, was in solchen Situationen passieren kann. Natürlich konnte ich in den ersten beiden Versuchen, dem Hindernis auszuweichen, die Spur nicht halten und musste in die Vollbremsung gehen. Schluck…zum Glück passierte dies nur auf einer kontrollierten Teststrecke und nicht in einer realen Verkehrssituation. Item, der Outcome war da: ich war definitiv sensibilisiert. Kluge und vorausschauende Wahl der Geschwindigkeit ist wohl der entscheidende Faktor. Um stets in der Spur zu bleiben, hatte man sich auf das «magische Auge» zu fokussieren. Dies funktionierte auch tatsächlich und half, dem Ausbrechen des Fahrzeuges entgegenzuwirken.

Wieviel Bremskraft bringst du aufs Pedal

Nach einem weiteren Theorieblock führte uns Markus zum Break-Car, dem ASSR Brems-Simulator. Diesen durfte ich bereits schon im 2018 am Suisse Caravan Salon in Bern ausprobieren. Damals brachte ich die mindestens empfohlenen 80 kg Bremskraft im ersten Versuch aufs Pedal. Diesmal erreichte ich sogar sage und schreibe 108 kg. Als Erstes musste ich die Sitzposition und Distanz zum Lenkrad sowie den richtigen Beinwinkel zu den Pedalen einstellen. Nach dem «Los» Kommando von Markus galt es, so lange aufs Gaspedal zu drücken, bis die Lampe vor dem Fahrzeug auf Rot ging und man dabei Voll-Karacho zwecks Vollbremsung aufs Gaspedal drücken musste. Der Computer errechnete dann die erreichte Bremskraft und die Reaktionszeit.

Fahrparcours mit dem Wohnmobil

Vor dem Mittagessen haben wir den vorher «zum Aufwärmen» mit dem PW absolvierten Parcours mit dem Womo durchgeführt. Diverse Bremsmanöver waren zu absolvieren: einmal auf normalem Asphalt, einmal (mit der Fahrerseite) halb auf Asphalt, halb auf nassem Gleitbelag und dann schliesslich komplett auf nassem Gleitbelag. Danach „erfuhren“ wir mit dem Womo das Verhalten in einer Kurve auf nasser, glitschiger Fahrplan.

Am Nachmittag ging es mit dem Fahrtraining dann weiter. Diverse Manöver wie Hindernissen im Slalom ausweichen (das Ganze vor- wie auch rückwärts), an ein Hindernis so nahe wie möglich vor- wie auch rückwärts heranfahren, ohne es zu berühren, auffahren auf Keile, einparken seitlich links und rechts sowie Überhang und Wendekreis messen.

Aus einer Distanz von ca. 50 m mussten wir auch den Abstand seitlich wie oben zu einer mit Abstandsstangen markierten resp. simulierten Tunneleinfahrt schätzen. Diese überprüften wir im Anschluss dadurch, indem wir mit dem Womo an diese Abstandsmarker heranfuhren und die geschätzte mit der effektiven Distanz verglichen. Das war auch schon sehr erleuchtend.

Der Abschluss des Parcours bildete einerseits das Wägen des Womos, andererseits die Ladungssicherung sowie die Inspektion der Angaben am Reifen. Alle waren durchwegs überrascht, wie schnell das maximal zulässige Höchstgewicht, dies inkl. Mitfahrer, vollem Wasser- und Benzintank sowie verstauter Utensilien, erreicht wird. Alle Kursteilnehmenden schauten aus der Fahrerkabine, auf den vier Wagen (je eine pro Rad) stehend, ziemlich verdutzt und überrascht auf den Instruktur runter, der ihnen das gemessene Gewicht mitteilte. Ein Womofahrer hat dann schliesslich klar eingesehen, dass er vielleicht lieber nur einen Teppich fürs Vorzelt mitnehmen sollte, statt derer zwei.

Bei allen Womos wurde final noch zusammen die Sicherung der Ladung verifiziert. Auch hierbei gab es einige Aha-Effekte. Toll war, dass alle voneinander profitieren konnten. Techniken und Erfahrungen in Sachen Ladungssicherung wurden untereinander ausgetauscht.

Mission accomplished – vollends zufrieden

Als Fazit dieses Womokurses kombiniert mit einem PW-Schleudertraining als Intro kann ich guten Gewissens festhalten, dass dies ein äusserst lehrreicher und gelungener Tag bei der ASSR war. Nicht nur, dass der Kurs sehr professionell und organisiert durchgeführt wurde, sondern dass alle Teilnehmende auch zahlreiche Aha-Effekte erleben durften. Auch solche, die bereits mehrere Jahre auf Womo-Touren unterwegs waren. Beeindruckt hat mich v.a., wie kontrollierter sich ein Womo auf nasser Fahrbahn gegenüber einem PW steuern lässt. Zudem wurde einmal mehr aufgezeigt, wie schnell das zulässige Höchstgewicht erreicht wird und wie wichtig die richtige und sichere Beladung ist. Nebst der ASSR sollten auch Händler ihre Kunden auf diese Faktoren hinweisen und sie ermuntern, einen Womo-Kurs bei der ASSR zu besuchen, bevor sie sich auf eine Reise begeben. Damit könnte man sehr viel Gutes tun.


CHF 60 Gutschein für Womokurs – meldet euch via E-Mail bei camping.ch mit Vermerk «ASSR Gutschein»


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